Warum der Rand rau bleibt
Nach dem Heften liegt der Buchblock ungleich. Manche Blätter stehen einen Millimeter vor, manche zurück. In anderen Werkstätten kommt dann der Hobel, und der Schnitt wird glatt, manchmal gefärbt, manchmal mit Blattgold belegt. Elsbeth lässt den Rand, wie die Nadel ihn verlassen hat.
Sie sagt, der glatte Schnitt gehöre zu Büchern, die man ins Regal stellt und nicht mehr aufschlägt. Ihrer Kunden lesen. Ein offener Rand wellt sich mit der Luftfeuchtigkeit der Länggasse, im November mehr als im Juli, und man sieht am Buch, dass es in einem Zimmer war.
Der Hobel hängt trotzdem an der Wand, für die Fälle, in denen jemand darauf besteht. Letztes Jahr war es ein Jurist, der seine Kommentare gebunden haben wollte, bündig wie ein Gesetzblatt. Nils hat gehobelt, den Staub aufgefangen und den Mann nicht überredet. Danach war die Werkstatt eine Stunde lang weiss.
Wer den Schnitt anfassen will: donnerstags, an der zweiten Bank, bevor der Leim auf den Rücken kommt. Danach ist das Papier fest, und man schaut nur noch.