Heftstube Der Schnitt

Länggasse, das grüne Fenster

Am unteren Ende der Länggasse, Haus mit dem leinengrünen Rahmen. Elsbeth Gerber bindet hier seit 1994. Seit 2017 steht ihr Neffe Nils an der zweiten Bank. Sie verkaufen keine Romane. Sie heften, was die Leute bringen: eine Dissertation, ein Kochheft, die Zeichnungen eines Kindes, einmal ein Gartenbuch, dem der Rücken gebrochen war.

Von Hand gebundenes Buch in Leinen
Leinen, Heftung von Hand, der Schnitt bleibt offen.

Was man sieht, wenn man hereinkommt

Der Leim riecht süsslich, nicht nach Lösungsmittel. Auf der Bank liegen Falzbogen, ein Knochenfalzer und Zwirn in drei Stärken. Der Einband ist meist Leinen, graublau oder das Grün vom Fensterrahmen. Goldschnitt machen sie nicht, das ist eine andere Werkstatt. Wer den offenen Papierrand sehen will, ist auf der Seite zum Schnitt richtig.

Donnerstag am Nachmittag

Dann ist die Tür angelehnt, und man darf an die Bank treten, etwa zwanzig Minuten, ohne etwas in Auftrag zu geben. Nils erklärt die Heftung, wenn er nicht gerade einen Rücken einhängt. Reden ist leise, die Presse quietscht. Eine Anmeldung gibt es nicht: wenn zwei Leute schon stehen, wartet man auf dem Trottoir. Im Semester kommen Studierende mit losen Blättern, im August eher Ferienleute, die das Schaufenster gesehen haben.

Die Länggasse ist um die Werkstatt herum eine Wohnstrasse mit der Universität in der Nähe. Ein Kaffee steht nicht bereit. Gegenüber ist eine Bäckerei, dort isst man, hier wird geheftet.